23.11.2017

ÖDP Kreistagsfraktion lehnt Gelbe Tonne ab

vorbildliches Wertstoffsammelsystem weiter optimieren

 

Die ÖDP Kreistagsfraktion lehnt die von der SPD beantragte und von der CSU schon lange gewünschten Umstellung des Wertstoffsammelsystems ab. Es sieht vor, vom jetzigen Bringssystem (mit den Wertstoffhöfen und Wertstoffsammelstellen) auf ein Holsystem mit einer gelben Tonne umzustellen.

Was sind unsere Gründe?

  • Wertstoffe tragen ihren Namen zu Recht. Sie sind schon heute wertvoll und werden in Zukunft an Bedeutung und Wert gewinnen. Natürliche Rohstoffe werden knapp. Deren Förderung immer kostenintensiver.

  • Rohstoffe werden sich zukünftig umweltverträglicher und billiger aus Wertstoffen gewinnen lassen, anstatt wie meist bisher aus neuen Lagerstätten, verbunden mit massiven Belastungen von Menschen und Umwelt.

  • Für jede Gesellschaft ist der Zugang zu Roh- bzw. Wertstoffen überlebenswichtig. Der steigende Bedarf wird in Zukunft viel Geld in die Kassen derer spülen, die sich den Zugang zu diesen Wertstoffen sichern. Unser Landkreis tut gut daran, die Kompetenz der Abfallwirtschaft zu erhalten und zu steigern, um sich nicht diesen zukunftsfähigen Markt von privaten Investoren nehmen zu lassen. Sollten wir heute diese Kompetenzen abgeben, werden wir Jahre später den Zugang zu diesem lukrativen Markt möglicherweise verlieren.

Die gelbe Tonne bedient vorrangig die menschliche Bequemlichkeit und erzielt auch mit neuester Sortiertechnik erschreckend niedrige Recyclingquoten. Unser Landkreis kann das besser.

Ziel muss es sein, unsere Recyclingquote zu steigern um

  • finanzielle Erträge für den Landkreis zu erhöhen

  • noch mehr attraktive Arbeitsplätze zu schaffen

Es gilt, Anreize zu schaffen, dass die Wertstoffhöfe gerne und intensiver genutzt werden. Die Mühe soll sich lohnen, Wertstoffe zu sammeln und sie im Wertstoffhof abzugeben. Es wäre vorstellbar, dass pro Wertstoffabgabe unabhängig der Menge ein Los vergeben werden könnte. Eine Verlosung des Landkreises belohnt Gewinner mit attraktiven Preisen (z.B. Erlass der Müllgebühren für 1 bis 12 Monate als Hauptpreis und vieles weitere mehr….). So könnten auch wieder Landkreisbürger-innen den Weg zu den Wertstoffhöfen finden, die dieses System nur als lästig und sinnlos erachten.

Es wäre vorteilhaft das Vorsortieren der Wertstoffe zu vereinfachen. Die Vielzahl an Verbundverpackungen, z.B. mit oder ohne Aluminium, verwirrt den Sammler. Manche Fraktionen sind jedoch sehr leicht erkennbar und können dadurch ganz einfach getrennt gesammelt werden. Beispiel: Weißglas, Braunglas, Grün-Blauglas, Dosen, Tetrapack, Aluminium und deren Folienverbunde, Kartonverbunde PPK, Kartonagen, CDs, Korken, Batterien, Akkus, …. Und letztendlich darf es sein, dass Wertstoffe unzureichend getrennt angeliefert werden. Niemand darf deswegen gekränkt oder beleidigt werden. „Try and Error“ und irgendwann wird es fast perfekt werden. Es muss Ziel sein, dass die Sammelstelle als angenehm und sinnvoll bei allen Beteiligten erlebt wird.

In den vergangenen Jahren wurde zu wenig in Beratung, Hilfestellung und Aufklärung investiert. Viele Bürger-innen glauben, nicht mehr aktuell informiert zu sein, fühlen sich unsicher, hilflos und haben Sorge, den gewünschten Anforderungen der Wertstofftrennung nicht gerecht zu werden. Dies mündet sogar in der Vorstellung, mit dem Landkreispersonal an der Sammelstelle in Streit geraten zu können oder zumindest gemaßregelt zu werden. Diese Phantasien halten viele vom Gang zur Sammelstelle ab, denn sie hätten erlebt (vor vielen Jahren…) oder erzählt bekommen, dass Mitarbeiter der Sammelstelle Bürger-innen ungehörig, beleidigend und besserwisserisch behandelt hätten. Dies ist sehr leicht nachvollziehbar und verständlich, weil nur sehr wenige Erwachsene konstruktiv und professionell mit Ratschlägen, Hinweisen oder Verboten umgehen können bzw. es gar nicht wollen.

Unser bisheriger Umgang mit Wertstoffen ist also vom Ansatz vorbildlich mit weiterem Verbesserungspotential. Die Gelbe Tonne wäre ein großer Rückschritt.

ÖDP Kreistagsfraktion
Harald Kempe, Werner Zurwesten, Jürgen Osterlänger