30.05.2017

Enkeltaugliche Landwirtschaft und Tierschutz

Ökobauer Ludwig Maier in Herbolzheim

Bild: Jürgen Osterlänger

Herbolzheim. In der europäischen Landwirtschaft darf es kein „Weiter so“ geben. So der Tenor von ÖDP Direktkandidat und Nebenerwerbbiolandwirt Ludwig Maier aus Soyen in Oberbayern, der auf Einladung des hiesigen Kreisverbandes über "Enkeltaugliche Landwirtschaft und Tierschutz" referierte. Humusabbau, industrielle Massentierhaltung, Artenschwund durch den breiten Einsatz von Ackergiften, Monokulturen, die Erdüberhitzung fördernde Anbaumethoden und viele andere Missstände sind schädlich für Menschen, Tiere und Umwelt.

Ludwig Maier ist auch Mitglied des ÖDP-Bundesarbeitskreises „Landwirtschaft, Tierschutz und Gentechnik“. Sein zweites berufliches Standbein in einer Behinderteneinrichtung habe ihm u. a. Toleranz, Bescheidenheit und viel Verständnis für behinderte Menschen gelehrt. Er spricht sich vehement gegen Gentechnik in der Landwirtschaft aus und warnte vor einer weiteren Ausbreitung der Genpflanzen in Europa.

Ähnlich problematisch sieht Maier den massiven Einsatz von Pestiziden und warnte vor allem vor dem Totalherbizid „Round-Up“. „Die Thematik geht uns alle an“, so Maier. Der intensive Anbau nachwachsender Rohstoffe wie Mais sei wegen des hohen Pestizideinsatzes ökologisch nicht zu rechtfertigen. Auch die Klimabilanz sei hierbei miserabel. „Dabei ist eine gentechnik- und pestizidfreie Landwirtschaft grundsätzlich nicht nur möglich sondern unabdingbar für eine nachhaltige Zukunft. Allein die gute fachliche Praxis gibt dies schon vor“, ist Maier überzeugt.

Desgleichen soll nach Maiers Wunsch die industrielle und quälerische Massentierhaltung zurückgedrängt und artgerechte Tierhaltung im ganzen Land zum Standard werden. Dies möchte er durch eine flächengebundene Nutztierhaltung erreichen. Mindestens 50% des Viehfutters sollten von hofnahen Flächen stammen, das dann nicht aus den ärmeren Regionen der Welt kommen müssen. Tierquälerei will er als Straftatbestand geahndet wissen.

Weiter fordert er ein Verbot von vorbeugender Antibiotika-Gabe an gesunden Tiere, da sich sonst lebensgefährliche Antibiotika-Resistenzen bei Menschen immer weiter ausbreiten. Weiter verlangt er einen schnelleren Umbau von konventioneller hin zu biologischer bäuerlicher Landwirtschaft sowie eine Einberechnung der wahren Preise bei der konventionellen Landwirtschaft z. B. Nitrat im Wasser, Pestizide und Erdüberhitzung.

Maier fordert auch eine Veränderung des Wettbewerbsrechts, um die Marktmacht global agierender Multis zu begrenzen. Ausgelöst durch die Fusionen der Agrar- und Chemiekonzerne Bayer und Monsanto und anderer Konzernzusammenschlüsse, wurde von verschiedenene Organisationen am 25. April 2017 eine "Streitschrift gegen die Ohnmacht der Wettbewerbskontrolle" herausgegeben. Die Forderungen seien notwendig, um die Ernährung der Welt heute und morgen in den Händen von widerstandsfähigen bäuerlichen und handwerklichen Betrieben zu halten. Als Partei, die den Menschen und den Schutz des Planeten unter das Motto „Mensch vor Profit“ und damit über die Profitgier von Wirtschaftsunternehmen stellt, hält die ÖDP gleichfalls eine Verschärfung der Fusions- und Missbrauchskontrolle für unerlässlich, um die Marktmacht der global agierenden Multis zu begrenzen.

Die Dachbotschaft laute Ernährungssouveränität statt Agrarindustrie. Gleichsam werde die Forderung nach Erhaltung und nachhaltiger Weiterentwicklung von Saatgut als Gemeingut durch die öffentliche Hand erhoben.

Enkeltaugliche Landwirtschaft bedeute auch, eine europaweite Agrarwende einzuleiten und das Wohl von Menschen, Tieren und Umwelt im Blick zu haben. Maier appelliert an die Wählerinnen und Wähler, Parteien zu wählen, die die Gesamtzusammenhänge zwischen einer nachhaltigen Landwirtschaft, einem guten Klima und gesunden Bürgern verstanden haben und sich auch entschieden dafür einsetzen.

Jürgen Osterlänger, ÖDP Kreisvorsitzender