ödpresse


12.10.2002: Skandalös: Mülltonnen sollen auf den Müll

Kreisvorsitzender der Ökologisch-Demokratischen Partei ist empört über die jüngsten Entscheidungen Votum für Verbrennung „Rückschritt von bisher fortschrittlichem Kurs": Aus SBA-Desaster nichts gelernt

Emskirchen. Der ödp- Kreisvorstand befaßte sich aus aktuellem Anlaß mit dem Thema Müll. Es wurde bedauert, daß nach den Beschlußvorschlägen der Ausschüsse der Landkreis dabei sei, seinen fortschrittlichen Kurs auf dem Müllsektor aufzugeben zugunsten einer nicht nachvollziehbaren scheinbaren Einfachlösung. Die aus der FLZ zu entnehmenden Fakten werfen für den Kreisvorstand viele Fragen auf. So wurde nach Meinung des ödp- Vorstands die zukunftsweisende stoffspezifische mechanisch- biologische Müllverwertung nur auf der völlig unzureichenden Grundlage der Aussagen eines einzigen „Fachmannes" verworfen. Bei der Verbrennung bleibe ein Rest übrig, etwa 10 % des Mülls müßten deponiert werden. Auch wenn alle vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten würden, gelangten viele Umweltgifte in die Umgebung und würden in Luft und Boden „endgelagert". Sogar in den „erlaubten" Abgasen befänden sich viele „Klimakiller", das sei bekannt. Der Müll solle in Würzburg verbrannt werden, obwohl in Nürnberg eine hochmoderne Anlage stehe mit freien Kapazitäten. Warum wohl soll der Müll nach Würzburg? Die Würzburger wünschten keine Anlieferung des Mülls per Bahn, weil diese zu unzuverlässig sei, heißt es. Ist die Bahn nicht fähig, Müll über 4O km zuverlässig zu transportieren? Völlig unmöglich hält der Kreisverband die Einführung neuer Mülltonnen. Ein kurzer Blick an Müllabfuhrtagen auf die Mülltonnen genüge, um festzustellen, daß fast alle Müllgefäße noch in einwandfreien Zustand seien. Neue Mülltonnen nur wegen eines Chips? Den könne man auch an vielen alten Tonnen anbringen. Zur kostenlosen Abgabe der neuen Tonnen äußerte sich ödp- Kreisvorsitzender Richard Möhring empört: „Wir Bürger werden hier für dumm verkauft, denn die kostenlosen Tonnen bezahlen wir mit den Müllgebühren oder haben sie schon in Form von Rücklagen bezahlt, wenn sie der Landkreis zur Verfügung stellt. Sollten die Müllabholfirmen die Tonnen bezahlen, holen sie sich das Geld wieder über Abfuhrgebühren. Die guten alten Tonnen landen dann auf dem Müll, das ist umweltpolitisch ein Skandal!" Wenn die Einführung eines Chips unbedingt nötig sein sollte, dann sollte auch unbedingt gleichzeitig die mit geringem zusätzlichem Aufwand mögliche gewichtsbezogene Müllgebühr eingeführt werden, war man sich im Kreisvorstand einig. Das wäre eine Minimalforderung an die künftige Müllpolitik des Landkreises. Die Mitglieder des Kreisvorstandes waren sich auch einig, daß die Müllentsorgung für den Landkreis einige der wenigen Aufgaben sei, die der Kreis ohne große gesetzliche Vorgaben selbständig erledigen könne im Sinne der mittlerweile von vielen Bürgerinnen und Bürgern geforderten Nachhaltigkeit von politischen Entscheidungen. Der Kreis hätte aus dem Desaster mit der Schwelbrennanlage nichts gelernt und würde eine große Chance vertun, sollte er sich für die Müllverbrennung entscheiden.