*an die FLZ, am 10. Okt. 2006
Tomi Engel: Ohne Elektroauto lässt sich die Mobilität
der Gesellschaft nicht mehr erhalten.
Neustadt – Ölreserven neigen sich dem Ende zu - Strom kann jeder bei sich zu Hause produzieren! Fahren wir bald wieder mit dem Rad?
Nur mit dem mit Solarstrom betriebenen Elektroauto kann in Zukunft die Mobilität der Gesellschaft gesichert werden. Davon überzeugt ist Tomi Engel, stellvertretender
Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz und Leiter des Fachausschusses "Solare Mobilität" der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.
Dass die letztgenannte Organisation mit dieser Auffassung im Land einen schweren Stand hat, weiß Engel. In einer Versammlung des ödp-Kreisverbands in Neustadt
befasste er sich deshalb mit der beliebten Frage: "Warum Elektroautos, wenn doch Strom gespart werden soll?" Engel ersetzte den Begriff "Strom" durch das Wort
"Ressourcen", die gespart werden müssten. Vor allem eben die fossilen Engergien, deren Ende absehbar sei. Derzeit würden sie aber - in Form von Öl - vorrangig für den
Verkehr eingesetzt, wo sie seiner Auffassung nach ineffizient und viel zu wertvoll seien.
Der Referent rechnete vor: Auf einem Hektar Land könne man aus Ölpflanzen die Energie für ein bis zwei Fahrzeuge gewinnen, umgewandelt als Biogas für vier Fahrzeuge.
Baue man Solarmodule auf, so reiche deren Energie für mindestens 110 Fahrzeuge aus - abgesehen davon, dass keine Kohlenstoffdioxidbelastung für die Umwelt anfällt.
Unter diesem Aspekt fragte Engel, warum niemand in dieser Gesellschaft die elektrische Mobilität als strategisches Ziel im auge hat. "Die Debatte Elektroauto wird in
Deutschland einfach nicht geführt. Da ist man in den USA und in Japan schon viel weiter.
Einen Hauptgrund sieht er darin, dass die gegenwärtigen Strukturen des Energiemarkts für die möglichst lang erhalten bleiben sollen, die daran verdienen. So ist seiner
Auffassung nach die Auftreibung in die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr nicht mehr länger haltbar. "Kraftwerke, die ihre Abwärme nicht nutzen, gehören verboten.
Heizungen, die nicht Strom produzieren können, gehören verboten. Der herkömmliche Explosionsmotor gehört abgeschafft."
Nur aus einem Mix aus Biomasse, Geothermie, Wind- und Wasserkraft sowie Solartechnik (Letztere kann man sogar auf den Dächern der Stadt "anbauen", wo die Energie
gebraucht wird) werde sich das Energieproblem der Zukunft lösen lassen. Das Problem der gleich bleibenden Last in den Stromnetzen lasse sich mit Batteriekapazitäten in
den Kraftwerken und die Bereitstellung von Biomasse-Kraftwerken zur Abdeckung der Spitzenlasten bewältigen. Engel geht davon aus, dass die Energie-Unsicherheit weiter
wächst. Umso wichtiger werde eine dezentrale Stromerzeugung im Verbund. Des Vortragenden Fazit: "Wenn wir nicht aufpassen, fahren die Chinesen bald mit dem Elektroauto
und wir mit dem Fahrrad." Es müsse in der Gesellschaft ein Klima geschaffen werden, dass die Großserienhersteller endlich dazu bringe, elektrisch betriebene Fahrzeuge
auf den Markt zu bringen. Deren Problem sei wohl eher, dass die Produktion von Strom, die jeder bei sich zu Hause vornehmen könne, nicht kontrolliert werden könne.
"Damit würde das derzeitige Wirtschaftssystem gefährdet."
