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Wir laden Sie mit unserem Kreistagswahlprogramm von 2002 ein, durch die Themen zu gehen, die uns bewegen bzw. die wir bewegen wollen.

Vorwort

Unser oberstes Ziel ist es, die Lebensgrundlagen für uns und kommende Generationen zu erhalten und nach Möglichkeit zu verbessern.
Nicht nur der Staat in der großen Politik, auch der Landkreis muss in seinem Verantwortungsbereich Rahmenbedingungen schaffen, die umweltfreundliches Verhalten und Eigeninitiative begünstigen und erleichtern und nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit aufgestellt wurden. Die ödp wird für eine ökologische Verkehrs- und Energiepolitik eintreten. Wir setzen uns für die Belange von Senioren und Jugendlichen, für kinder- und familienfreundliche Gemeinden ein. Und es liegt uns auch am Herzen, die Bürgerinnen und Bürger an wichtigen Entscheidungen besser zu beteiligen. Das ist beispielsweise durch Bürgerentscheid möglich und sollte bei geeigneten Themen auch erfolgen. Die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Politikbereichen wird um so härter, je weniger die Finanzmittel ausreichen, um sie alle zu verwirklichen. Das darf aber kein Grund sein, neue Ideen gar nicht mehr vorzubringen. Darum machen wir in diesem Programm einige wohlüberlegte neue Vorschläge auch dann, wenn diese mit zusätzlichen Ausgaben verbunden sind. Wir wollen jedoch die Verwirklichung unseres Programms nicht mit neuen Schulden finanzieren. Das Wichtigste werden wir zuerst tun, weniger Wichtiges zurückstellen, kürzen oder notfalls streichen. Als demokratische und konsequent ökologische Partei bietet sich die ödp allen umweltbewußten Menschen der politischen Mitte als Alternative an. Extreme von rechts oder links lehnen wir ab. Wir machen Ökologie auch für die politische Mitte wählbar. Auf der Basis der folgenden Programmpunkte wollen wir die Kreispolitik auch künftig mitgestalten und Verantwortung für unser Gemeinwohl übernehmen.

1. Zusammenleben in unserem Landkreis

Politik für Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren und Behinderte

Kinder und Familien:
Kaum ein Lebensbereich des Menschen ist durch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und durch die einseitig materialistische Sicht der Welt so stark gefährdet wie die Familie: Das moderne Arbeitssystem, beengte Wohnanla­gen, zentralisiertes Schulwesen und das inflationäre Medienan­gebot setzen den Familien zu. Trotzdem bleiben wir dabei: Die Familie hat sich als die beste Form des Zusammenlebens bewährt. Wir wollen die Rückbesinnung auf Werte anregen, die sich nicht an Besitz und Konsum messen lassen. In der Familie kann dieses Wertebewußtsein am besten vermittelt werden. Der längst überfällige gerechtere Familienleistungsausgleich ist zwar Aufgabe des Staates, aber auch der Kreis kann in seinem Zuständigkeitsbereich einen Beitrag für ein kinder- und familien-
gerechtes Umfeld, für die Aufwertung der Familienarbeit und für die Chancengleichheit von Frauen und Männern leisten.

Das ödp-Konzept:
  • Schaffung qualifizierter Teilzeitarbeitsplätze
    für Frauen und Männer in kreiseigenen Einrichtungen.
  • Verbesserungen bei der Kinderbetreuung, familienfreundliche Öffnungszeiten, Verbesserung der Chancen beim beruflichen Wiedereinstieg.
  • Fort- und Weiterbildungsangebote unter Berücksichtigung der Belastung aufgrund familiärer Aufgaben
  • Förderung der ambulanten und stationären Hilfen zur Unterstützung der Pflegetätigkei in den Familien
  • Einrichtung eines Ausschusses für Frauenfragen, der allen Frauen als Ansprechpartner dient, die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten unter-
    stützt und speziell für Frauen wichtige Themen bearbeitet.
Jugend:
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Persönlichkeitsbildung junger Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Die Suche nach der eigenen Identität, nach Lebenssinn und Lebenssicherheit ist für die jungen Menschen zweifellos schwieriger geworden. Ein Indiz hierfür sind die Zunahme des Drogen- und Rauschmittelmißbrauchs, das Auftreten extremistischer gewaltbereiter Jugendlicher. In dieser Situation ist es erforderlich, daß die Politik die vielfach vorhandene gute Jugendarbeitunterst¨tzt und auch finanziell fördert. Weil die Jugendverbände aber gerade diejenigen Gruppen von Jugendlichen oft nicht erreichen, die unter ungünstigen sozialen und familiären Bedingungen aufwachsen, ist auch die offene Jugendarbeit von großer Bedeutung.

Das ödp-Konzept:
  • Jugend und Jugendarbeit muß in der Politik stets Beachtung finden.
  • Die Jugendarbeit von Organisationen
    (kirchliche, sportliche, kulturelle Jugendarbeit; Jugendverbände von Hilfsorganisationen usw.) soll in dem Bemühen unterstützt werden, ehrenamtliches und soziales Engagement zu aktivieren. Denn gerade die Jugendverbände können, wenn sie entsprechend unterstützt werden, einen wesentlichen Beitrag zur Präven­tion der heutigen Jugendprobleme leisten.
  • Fortschreibung des Jugendhilfeplans.
  • Sicherung der personellen Struktur der Jugend-
    arbeit (Jugendpflege, Kreisjugendring, Personal von Jugendfreizeitzentren).
    Finanzielle Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter (z.B. Fortbildungskosten).
Leben im Alter, Leben mit Behinderung
Alle öffentlichen Hilfen zur Bewältigung der besonderen Problemlagen des Alters oder einer schweren Behinderung müssen darauf abzielen, soviel Selbstständigkeit wie nur irgend möglich zu erhalten. Öffentliche Träger, private Vereine und Initiativen müssen darin bestärkt werden, auch ältere Menschen in soziale, kulturelle und ökologische Initiativen einzubeziehen.

Das ödp-Konzept:
  • Arbeitsplätze und öffentliche Einrichtungen aller Art sind so
    zu gestalten, daß die Integration Behinderter zur Selbstverständlichkeit wird.
  • Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen auch für Senioren und Behinderte benutzerfreundlich sein.
  • Eine angemessene Zahl von Kurzzeitpflegeplätzen
  • Die Einführung einer ÖPNV-Seniorenkarte
  • Die Herausgabe eines Wegweisers mit wichtigen Telefonnummern und Tips für die besonderen Probleme im Alter und bei Behinderung
  • kleine Verbesserungen ohne großen finanziellen Aufwand erleichtern oft den Alltag der Senioren:
    ein Handlauf auf einem gefährlichen öffentlichen Weg, eine Treppe, eine verbesserte Bushalte­stelle ...
  • Fortschreibung des Altenhilfeplans.
  • Gründung eines Seniorenbeirates, der die Probleme der Senioren einer breiten Öffentlichkeit bewußt macht und zur Problemlösung beiträgt.
2. Bildung und Kultur

Die Sicherung eines vielfältigen kulturellen Grundangebots nahe am Wohnort ist eine wichtige Aufgabe wertorientierter, moderner Kreispolitik. Sie fördert die Lebensqualität und stellt auch einen „weichen Standortfaktor“ in wirtschaftlich- arbeitsplatzpolitischer Hinsicht dar.
Deshalb treten wir dafür ein, der Kulturförderung einen gesicherten Platz in den Haushaltsplänen des Landkreises einzuräumen und bei nötigen Sparaktionen die Kulturmittel allenfalls proportional zu den übrigen Haushaltstiteln zu kürzen.

Das ödp-Konzept:
  • Die Erwachsenenbildung ist sowohl über die Volkshochschule in kommunaler Trägerschaft als auch über freie Träger zu sichern. Dabei wäre eine Koordination der Maßnahmen in einer mittel­fristig zu planenden „Erwachsenenbildungs­konferenz“ aller Träger am Ort wünschenswert.
  • Erhalt, Ausbau und dauerhafte Unterstützung
    der Kreismusikschule.
  • Ferienprogramme sollen wohnortnahe und attraktive
    Freizeitgestaltungshilfen darstellen und so eine echte Alternative zum Ferntourismus werden.
    Sie sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.
  • Das öffentliche Bibliothekswesen sichert eine lebendige Lesekultur. Vor allem die Kinder- und Jugendliteratur, aber auch qualitativ hoch-
    stehende Video- und Audio- Angebote sind unverzichtbar.
  • Soweit eine beeinflussungsfreie Form gefunden werden kann, treten wir für die Zusammenarbeit der kommunalen Kulturförderung mit Sponsoren aus der örtlichen und regionalen Wirtschaft ein.
  • Der Landkreis muß seiner Verantwortung als Schulträger gerecht werden und die äußeren Bedingungen für moderne Schulen schaffen, das gilt besonders für die Ausstattung mit neuester EDV.
3. Ökologische Verkehrspolitik für Mensch und Umwelt

Das Ausmaß des heutigen Verkehrs ist ebenfalls ein Symptom des um jeden Preis betriebenen Wirtschaftswachstums. Eine wachsende Wirtschaft produziert mehr Verkehr und benötigt deshalb eine ständige Ausweitung der Verkehrsinfrastrukturen. Auch Erholungs- und Konsumbedürfnisse sind oft mit Mobilität verbunden. Schließlich erzeugen auch die wachsenden Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsplatz zusätzlichen Verkehr.

Das ödp-Konzept:
  • Verkehr vermeiden!
    Arbeitsplatz und Wohnort sollen wieder näher zusam-
    menrücken. Der Autoverkehr muß auf das Notwendigste beschränkt werden. Oft hilft gründliches Denken und Planen, um so manche Fahrt überflüssig zu machen. Die Organisation von Mitfahrgemeinschaften und Mitnahme-
    aktionen sollte gefördert werden.
  • Der Öffentliche Personennahverkehr ÖPNV
    Durch die Regionalisierung des Schienennahverkehrs ist eine Gelegenheit gegeben, den ÖPNV im Landkreis neu zu ordnen und vor allem attraktiver zu machen. Außerdem ist es von großem Vorteil, dass der gesamte Landkreis zum Tarifgebiet des VGN und damit zum Großraum Nürnberg/Fürth /Erlangen gehört.
    Am Anfang sollte eine genaue und umfassende Planung durch ein erfahrenes Planungsbüro erfolgen. Außerdem ist es von großem Vorteil, daß der gesamte Landkreis zum Tarifgebiet des VGN und damit zum Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen gehört. Rückgrat des ÖPNV ist die Bahn. Dazu sollten nach Möglichkeit Stadtbussysteme in geeigneten Städten eingeführt werden. Ein wünsch-
    enswerter ÖPNV umfaßt neben dem herkömmlichen Linienbus auch Rufbus, Discobus, Anrufsammeltaxi.
    Die ödp unterstützt die Aktion „Bayern- Netz“ von Bund Naturschutz, Pro Bahn und VCD, weil sie viele zukunftsweisenden und attraktiven öPNV enthält: Dichtes Netz, moderne Fahrzeuge, barrierearmer Zugang, attrakives, familienfreundliches Tarifsystem, moderne Haltestellen, usw.
    Solch ein Angebot kostet natürlich Geld. Die Erfahrung in manchem Verkehrsverbund ist aber, daß man nur durch Einsatz von zunächst erheblichen Mitteln auch Erfolg haben kann - eine halbherzige Sache ist nicht mehr bequem und attraktiv genug, um Autofahrer zum Um-
    steigen zu bewegen.

  • Radfahren
    Das Fahrrad sollte als gleichberechtigtes und oft auch gleichwertiges Verkehrsmittel erkannt und anerkannt werden. Ob zur Arbeit, zum Einkauf oder in der Freizeit, das Fahrrad ist die echte, umweltfreundliche (und gesunde) Alternative!
    • Verbund ÖPNV/Fahrrad
    • Bike & Ride als Ergänzung oder Ersatz zu Park & Ride
    • Mitnahme des Fahrrades in Bussen, um am Zielort das Rad für die Weiterfahrt zur Verfügung zu haben
    • Aus- und Weiterbau eines umweltfreundlichen Radwegenetzes.
4. Energiewende im Landkreis: Aufbruch ins Solarzeitalter

Wir von der ödp wollen eine Politik, die uns und nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft und intakte Lebensgrundlagen erhält. Atomreaktoren wie in Grafenrheinfeld oder Temelin bedrohen Leben und Gesundheit aller Menschen in Bayern, auch in unserem Landkreis. Deshalb tritt die ödp so engagiert für einen kurzfristigen Atomausstieg ein. Atomstrom muß vollständig ersetzt werden. Außerdem mehren sich die Anzeichen für eine Klimakatastrophe, und das erfordert eine sofortige Energiewende. Auch in unserem Landkreis muß etwas getan werden: Verantwortbare Technik entlastet die Umwelt und schafft sichere Arbeitsplätze. Deshalb: Energie sparen und Klima schützen durch eine sofortige Energiewende und Aufbruch ins Solarzeitalter!

Das ödp-Konzept:
Aufbau einer Energieagentur

Was auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft funktioniert, kann auch auf dem Energiesektor durchaus erfolgversprechend eingeführt werden:
Eine kreiseigene Energieagentur soll Aufklärung, Planung, Beratung und evtl. Finanzierungsvermittlung dem Landkreis, den Kreisgemeinden und auch den einzelnen Bürgern zur Verfügung stellen. Erreicht werden soll ein sparsamer, verantwortungsbewußter Umgang mit Energie in allen Formen. Beispiele:
  • Energiesparende Maßnahmen wie Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung, Nutzung von Prozeßwärme, moderne Regeleinrichtungen.
  • Kraft- Wärme- Koppelung in Blockheizkraftwerken.
  • Photovoltaik.
  • Windenergie.
  • Nutzung von Pflanzenöl, Biogas und Holz.
Der Kreis sollte in seinen Einrichtungen beispielhaft zeigen, was auf dem Gebiet der aktiven und passiven Solarnutzung heute technisch bereits machbar ist.

5. Natur- und Umweltschutz

Wer die Natur schützt, schützt nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch sich und andere. In der heutigen Zeit sind Natur und die Landschaft vielfältigen Nutzungsansprüchen ausgesetzt. Deshalb ist es erforderlich, noch vorhandene Lebensräume von Pflanzen und Tieren zu erhalten und miteinander zu vernetzen.

Das ödp-Konzept:
  • Biotopkartierung: Erfassung aller Lebensräume wie Feuchtwiesen, Mager- und Trockenrasen, Fels- und Baumgruppen, Bäume und Hecken, Bachläufe usw. einschließlich einer Bestandsaufnahme an Pflanzen und Tieren. Ausbau eines Biotopverbundsystems.
  • Bau von Regenwasserzisternen bei Neubauten des Kreises.
  • Bewässerung von kreiseigenen Anlagen, Sport-
    plätzen u.ä. mit gesammeltem Regenwasser aus Regenwasserzisternen.
  • Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung bei Hochbaumaßnahmen, Straßenbau, Beschaffungen, und wo sie sonst noch sinnvoll ist.>
6. Bäuerliche Landwirtschaft erhalten!

Auch wenn die Lage der Landwirtschaft vor allem von der Politik in Bonn, Brüssel und München abhängt, müssen sich doch auch die kommunalen Entscheidungsträger fragen lassen: Ist euch die Existenz der bäuerlichen Familienbetriebe, die Erzeugung gesunder Nahrung sowie die Pflege und der Erhalt der Landschaft wichtig?

Das ödp-Konzept:
  • Einkauf für den Bedarf kreiseigener Einrichtungen (Krankenhäuser, Schulen, usw.) bei örtlichen bzw. regional ansässigen Landwirten, insbesondere Biobauern.
  • Förderung von Bauernmärkten und Direktvermarktung.
  • Übertragung geeigneter Arbeiten an Landwirte und Maschinenringe (Mäharbeiten, Land-
    schaftspflege usw.)
  • Planung und Betrieb von Nahwärmever-
    sorgung/BHKW mit nachwachsenden Energieträgern (Holz, Biogas, Pflanzenöl, Schilfgras etc.) in geeigneten Kreiseinrichtungen zusammen mit Landwirten aus der Region.
7. Umweltverträgliche Abfallwirtschaft

In einer umweltverträglichen Abfallwirtschaft hat die Müllvermeidung Vorrang vor der Verwertung und der Deponierung.
Nach dem Scheitern der Schwelbrennanlage ergeben sich für unseren Landkreis neue Chancen für die Abfallwirtschaft. Es gibt ernsthafte Alternativen zur Müllverbrennung, bspw. die stoffspezifische mechanisch-biologische Behandlung des Restmülls nach einem Konzept des Bund Naturschutz in Bayern.
Der Landkreis sollte auf jeden Fall die Situation nutzen, erneut über ein umweltverträgliches Abfallkonzept nachdenken und sich nicht unnötig auf die Müllverbrennung festlegen.

Das ödp-Konzept:
  • Prüfung der stoffspezifischen, mechanisch- biologischen Behandlung des Restmülls.
  • Die vorhandenen richtigen Ansätze der Abfallwirtschaft des Landkreises sollten fortgeführt und weiterentwickelt werden, wobei der Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle zukommt.
  • Weiterer Ausbau der bürgerfreundlichen Müllberatung und öffentliche Bekanntmachung der Entsorgungswege, um die Motivation zur Wertstofftrennung zu erhalten und zu verbessern.
  • Müllvermeidung in den kreiseigenen Einrichtungen.
  • Weiterer Ausbau der Wertstoffhöfe und Wertstofferfassung.
  • Einführung gewichtsbezogener Müllgebühren
8. Bürgernähe und mehr direkte Demokratie

Das ödp-Konzept:
  • Gestaltung der Verwaltung als „Dienstleistungsunternehmen“.
  • Das erfolgreiche Volksbegehren zur Einführung kommunaler Bürgerentscheide hat gezeigt, dass die Bürgerschaft mehr direkte Mitverantwortung wünscht.
    Die ödp tritt dafür ein, dass in besonders strittigen Fragen von allgemeinem Interesse ein Bürgerentscheid durch Beschluß des Kreistages eingeleitet wird. Dadurch entfällt die Unterschriftenhürde für die Beantragung des Bürgerentscheides.
  • Weiterführung und Intensivierung des Agenda 21- Prozesses auf Kreisebene mit Beteiligung möglichst vieler gesellschaftlicher Gruppen und Einzelpersonen.
9. Wirtschaftliche Entwicklung in ökologischer
Verantwortung


Das ödp-Konzept:
  • Wir sind für eine dezentral orientierte Strukturpolitik. Die Funktionen Arbeit, Erholung und Wohnen müssen wieder näher zusammengeführt werden. Deshalb treten wir - je nach Lage der örtlichen Verhältnisse - für eine Intensi-
    vierung oder aber für eine Stabilisierung bei der Ansied-
    lung von Arbeitsplätzen und Erholungseinrichtungen ein. In jedem Fall muß aber auf die ökologische und soziale Verträglichkeit von neuen Projekten geachtet werden.
  • Mittelfristig sollte ein Leitbild für die wirtschaftliche Gestalt des Kreises erarbeitet werden. Daran müssen möglichst viele gesellschaftliche Gruppen mitwirken. Denkbar ist an die Einrichtung eines „Kreisforums“ auf Zeit, das die verschiedenen Interessengruppen zusammenführt und das Leitbild erarbeitet. Vor allem sollen Lücken und Überschüsse im Branchenbild der Region festgestellt werden. Außerdem ist auf die Optimierung der sogenan-
    nten „weichen Standortfaktoren“ (kulturelles Angebot, Lebensqualität, „Flair“, Bildungsmöglichkeiten etc.) zu achten. Die Ansiedlungspolitik und die Investitionsplanung der Kommunen soll sich dann an diesen Ergebnissen orientieren.
    So werden Überlastungen, unsinnige Konkurrenzen und das Liegenbleiben notwendiger Projekte vermieden.
  • Sanfter Tourismus schafft Arbeitsplätze!
    Urlaub im Inland steht zunehmend in Konkurrenz zu den steuerlich begünstigten und ökologisch unverantwort-
    baren Billigflugreisen. In sanften umweltfreundlichen und sozialverträglichen Tourismusangeboten liegt jedoch eine Chance, die auch in unserem Landkreis genutzt werden sollte.
  • Mobilfunksender nicht in Wohngebieten!
    Die rasante Zunahme der Zahl der Handys hat eine Zunahme der Mobilfunksender zur Folge. Die bisherigen Studien zur Langzeitwirkung von Mobilfunkstrahlen ergeben noch keine ausreichende Basis für eine seriöse Risikobewertung, Alarmzeichen mehren sich aber. Deshalb ist Vorsicht geboten.
    In Wohngebieten haben Mobilfunksender nichts zu suchen. Die ödp fordert die Umsetzung der Vereinbarung der kommunalen Spitzenverbänden mit den Mobilfunknetz-
    betreibern als Mindestmitwirkungsmöglichkeit der Betroffenen.
10. Geld ausgeben muß sein - aber ...

Das ödp-Konzept:

Städte, Kreise und Gemeinden sind gute Kunden.
Die ödp will sich dafür einsetzen, daß verantwortlich eingekauft wird. „Verantwortlich einkaufen“ heißt für uns:
  • Ökologische Wirkung bedenken:
    Bei allen Einkäufen und Planungen muß gefragt werden, welche Auswirkungen auf die Umwelt bei der Herstel-
    lung, beim Gebrauch und bei der Rückführung nach Gebrauch entstehen. Konkret treten wir dafür ein, repa-
    raturfähige langlebige Güter zu kaufen, um so die Gebrauchszeiten zu verlängern.
  • Regionale Anbieter berücksichten:
    Wer vor Ort einkauft spart unnötigen Verkehr und stärkt die heimische Wirtschaftsstruktur. In jedem Fall ist daher zu prüfen, ob Anbieter aus der Region vorhanden sind, ob deren Angebot qualitativ und preislich attraktiv ist und ob evtl. ein geringfügiger Mehrpreis gegenüber einem weit entfernt liegenden Anbieter gerechtfertigt werden kann.
  • Sparsame Verwendung öffentlicher Gelder Ökodemokraten wollen auf die sparsame Verwendung der öffentlichen Gelder achten und in den kommunalen Rechnungsprü-
    fungsausschüssen gewissenhafte Arbeit einfordern. Allerdings muß "Sparsamkeit" umfassend interpretiert werden: nicht immer das aktuell billigste Angebot ist auch das langfristig günstigste!
  • Null-Lösungen prüfen!
    ("Brauchen wir das wirklich?")
    Bei allen Anschaffungen ist die wirkliche Notwen-
    digkeit zu kontrollieren: Oft werden Dinge angeschafft, weil es eben immer schon so war. Dies gilt für Versich-
    erungsleistungen ebenso wie für Repräsentations-
    geschenke oder Jahresessen und Festbankette.


Hilfe für Schwächere ist nur sozial, wenn sie aus der Tasche der helfenden Generation kommt. Wer den Schwachen nur gibt, was er den noch Schwächeren, nämlich den noch gar nicht Geborenen, durch Schuldenmachen wegnimmt, der betreibt eine egoistische Politik der Wahlgeschenke. Und wer die heutige Politik des Wirtschaftswachstums verurteilt, weil sie die Lebensgrundlagen zerstört, der darf die ökologische Wende nicht mit neuen Schulden finanzieren, sondern muß die notwendigen Opfer bringen. Um diesen Weg gangbar zu machen, wollen sich die Kandidatinnen und Kandidaten der ödp im Kreistag einsetzen.

Layout: dietmarso - Stand v. 29. Okt. 2007